Die Rückbegegnung in Deutschland- Togetherness

Deutschland: Eines der individuellsten und gleichzeitig auch vielfältigsten Ländern der Welt. Die deutsche Sprache verbindet viele Nationalitäten, Glaubensrichtungen, Fangemeinden, Mode & Design und ist gleichzeitig dadurch identitätsprägend.

Herzlich Willkommen im Masifunde- ESTA Erforschungs- und Filmprojekt Nummer II.

Wir - zehn junge Lernende aus zwei sehr unterschiedlichen Ländern, Deutschland und Südafrika- ermöglichen durch das nun zweite Film-Projekt einen einzigartigen Einblick in die deutsche Gesellschaft. Durch einen zweiten Film dokumentieren wir die Trips mit Zwischenhalten innerhalb der deutschen Bundesländer (Hessen, Reinlandpfalz und Berlin), die auch hier wieder mit Gegensätzen, verschiedene Identitäten und kulturellen Eigenschaften behaftet sind. Das Ziel der zweiten Reise wird sein, die Untersuchung der deutschen Gesellschaft, die sich vor allem darin ausdrückt, verschiedene Lebensentwürfe und - stile zu verfolgen (Religionen, Jugendkulturen, Mode & Design) und trotzdem eine Sprache zu sprechen. Werden wir feststellen, dass alle "Deutschen" ähnlich sind oder doch durch ihre Umwelt, wie Mode, Design, u.a. stark geprägt werden und so erst eine Identität entwickeln?


Friday, 1 July 2011

30.6.11: Wir fahren in eine „andere Welt“: Besuch bei Zingis Granny in Peddie

Heute steht eine Lange Fahrt auf dem Programm, denn unser Interviewort ist in der Nähe von Peddie, nord-östlich von Port Elizabeth. Nach dem Frühstück und der Vorbereitung brechen wir auf. Die Fahrt, etwas über 3 Stunden, wird aufgelockert als Milena in der Nähe der Straße eine Giraffe entdeckt. Kurz darauf kreuzen einige ziemlich große Affen die Straße. Die südafrikanischen Teilnehmer lassen sich dadurch allerdings nicht sonderlich begeistern, bei den meisten deutschen TeilnehmerInnen ist nun aber nicht mehr an Schlaf zu denken. 
Als auf einmal die Straße nicht mehr befestigt ist, merken wir, dass wir bald da sein müssen. Ab jetzt wird die Fahrt mit unserem Quantum sehr abenteuerlich. Unerwartet endet die Straße, wegen einem Kanalbaukurz vor uns. Der Umweg geht über extrem holprige unbefestigte Straßen weiter und das sehr langsam. Kurz vor unserer Endstation ist die Straße allerdings doch so schlecht, dass es unmöglich ist, vollbeladen zu passieren, also heißt es : Alle aussteigen! Mfana fährt langsam los und schnell wird klar, dass es auch so nicht funktioniert, denn ein Rad hängt völlig frei in der Luft. Also schnell Steine unterlegen und schieben!

 Alle müssen aus dem Bus aussteigen.

 Ledge, der uns hinterherfährt, wagt sich auch über die unbefestigte Straße zu fahren.

 Das linke Hinterrad hängt in der Luft. Wir legen Steine unter.

Alles wird von Frederic gefilmt.

An unserem Interviewort angekommen wird unmissverständlich deutlich, dass die Lebensbedingungen in den „rural areas“, also den ländlichen Gegenden in Südafrika wenig mit unseren, gewohnten Lebensbedingungen gemeinsam haben. Zingis Großmutter, Nokwatha „Po Po“ Hulushe, verbrachte ihr ganzes Leben in dem kleinen Dorf in der Nähe von Peddie. Sie hat sieben Kinder und eine Menge Enkelkinder, ist allerdings verwittwet. Sie wohnt zusammen mit weiteren Familienmitgliedern in einem etwa 20 m² großen Haus, mit einem Raum, der Küche, Schlafzimmer, Esszimmer und Wohnzimmer in einem darstellt. Ein Badezimmer gibt es nicht, also auch keine Toilette, naja es gibt sie schon, nur nicht so, wie wir es gewohnt sind. 
Das Haus steht zusammen mit vier anderen etwas weiter vom Dorfkern entfernt. Gebaut ist es aus Ton, mit einem Dach aus Wellblech. Wir begrüßen unsere Gastgeber auf Xhosa: "Molweni Mama", und nehmen Platz. Uns werden auch Bambusmatten zum Sitzen angeboten, was eine traditionelle Weise ist, da die Menschen sich so näher mit der Erde verbunden fühlen. 
Uns gegenüber sitzen Menschen aus den verschiedensten Generationen, von Zingis 3 Monate alter Cousine, ihrer Tante, einer weiteren Cousine mit drei jüngeren Kindern, einem älteren Nachbarn und ihrer Großmutter, die in den frühen 70ern ist. Sie sind alle „Methodisten", eine besondere Glaubensrichtung des Christentums. Wir erfahren, dass es nur wenige Einkaufsmöglichkeiten in und um ihr Dorf gibt und eine Klinik sehr weit entfernt ist. Daraus folgt, dass sie ihre Lebensmittel zum größten Teil selbst anbauen müssen und auch eine Kuh besitzen deren Milch sie nutzen. Aus der schlechten medizinischen Versorgung ergibt sich, dass sie in die Heilkraft von bestimmten Pflanzen und Sträuchern vertrauen, sowie in die Fähigkeiten von Medizinmännern. In unserer Gesprächsrunde übernimmt Wonga die Funktion des Übersetzers, da die Menschen in den ländlichen Gegenden im Eastern Cape, also auch unsere Interviewpartner, ausschließlich Xhosa sprechen.

 Wir sitzen in dem Haus von Zingis Großmutter.

 Die Konstruktion des Dachs.

 Rechts neben Racheal sitzen unsere Gesprächspartner.

Mfana und ein Nachbar der Familie.

Aufregend ist es der fremden Sprache zuzuhören und den Gesichtsausdrücken unserer Gesprächspartner zu folgen. Nokwatha Hulushe scheint völlig in sich zu Ruhen, sie strahlt eine unglaubliche Stärke, Einheit und Friedlichkeit aus. Wir hören, dass sich das Leben auf dem Land in den letzten 70 Jahren schon sehr verändert hat. Früher lebten sie ausschließlich von selbst produzierten Lebensmitteln, wie Hirse, einer Kürbisart, die sehr aussieht wie eine Wassermelone, Erbsen, Mais und Sauermilch. Die Lebensmittel wurden allerdings auch konserviert, in einem ausgebrannten Erdloch, das mit Steinen abgedeckt wurde und so die Lebensmittel über ein Jahr lang genießbar halten konnte. Die Gase, die in dem Erdloch entstehen, sind allerdings so stark, dass sie einen umbringen könnten, berichtet der Nachbar. Heute beziehen sie auch Lebensmittel von außen, wozu sie sehr früh aufstehen müssen um einen Lebensmittelladen zu erreichen. Dennoch sind sie sehr stolz auf ihre Heimat und können sich einen anderen Lebensort, der vieles erleichtern würde, nicht vorstellen, etwa ein Leben in einem Vorort.

 Wonga, der Übersetzer, sitzt links neben Zigis Großmutter.

 Auf dem Boden sind die Lebensmittel, die sie schon in früheren Tagen anbauten und von denen sich ausschließlich ernährt wurde: u.a. Kürbis, Mais, Hirse und Erbsen.

Die generationsübergreifenden Gesprächspartner; Christina und Racheal ganz links.

Auf die Frage, wie sie z.B. erfuhren, dass Nelson Mandela zum Präsident wurde und wie sie sonstige Nachrichten erreichen, erklären sie, dass es heute auch Radio und vereinzelt Fernseher gibt. Früher hatten sie allerdings nur ein Buch, in dem die Nachrichten standen, das von Haus zu Haus weitergegeben wurde. Oder die Nachrichten wurden mündlich weitergegeben, was allerdings zeigt, dass es auch länger dauern konnte bis sie von einem politischen Umbruch, wie dem Ende der Apartheid, erfuhren.

Alle Teilnehmer und Betreuer hören gespannt zu.

Kontakt zu anderen Sprachen und Kulturen gibt es nur, wenn das Dorf verlassen wird oder weggezogene Verwandte zu Besuch kommen. Für sie ist es nicht von Bedeutung eine andere Sprache zu erlernen, da alle Menschen in ihrer Umgebung nur oder auch Xhosa sprechen. Wir erfahren aber auch, dass sich das Xhosa auf dem Land und in der Stadt sehr stark voneinander unterscheidet, wie von Zingi bestätigt wird. Es ist für die Menschen aber auch entscheident ihre Kultur, die Traditionen und einzelne Rituale (wie zum Beispiel das der Hochzeit, zu lesen im Blog vom 24.6.) zu behalten, da es ihre Identität darstellt und das Leben sowie den Alltag bestimmt.

Als uns die Fragen ausgingen, fragt der Nachbar, ob er denn auch etwas Fragen könnte. Wir berichteten ihm also von deutschen Ritualen nach dem Tod eines Verwandten, wie z.B. schwarze Kleidung, Grabsteine und Blumen auf dem Grab. Daraufhin erfuhren wir, dass die Menschen in den ländlichen Gegenden des Eastern Cape ihre Erfolge und Misserfolge bei Ernte oder im sonstigen Leben von der Zufriedenheit der Vorfahren abhängig machen, und diese um Hilfe und Unterstützung bitten. Begraben werden die Verstorbenen übrigens ganz in der Nähe des Hauses.

Unsere Gesprächsrunde endet mit einem traditionellen Gesang, zudem der Nachbar und unser Fahrer in einem Tanz einsteigen, der durch Ledge und Zingi unterstützt wird.



Großer Spaß bei der Gesangs- und Tanzvorführung. 

Zusammen mit unseren Gesprächspartnern essen wir zu Mittag. Danach beginnt das Interview und einige spielen währenddessen draußen mit den Kindern und ihrer etwas experimentellen Seifenkiste.

Milena und Zingis Cousine.



Ledge wagt sich auf die "Seifenkiste".

Der Wind hat sich in der Zwischenzeit leider nicht gelegt und wir starten die Rückfahrt. Diesmal war nicht die Straße das Problem, sondern die Tankanzeige in Ledges Auto. Also machten wir uns auf die Suche nach einer Tankstelle, was sich in dieser Gegend als entsprechend schwierig herausstellte, da die meisten Menschen mit Eselkarren unterwegs sind, wie man beobachten konnte.

 Gruppenfoto mit den Interviewpartnern: Der Wind kommt, wie man sieht, von rechts.

Zingi und ihre Großmutter (von links).

Zurück zu Hause gibt es Abendessen und anschließend findet die Evaluation statt. Hier zeigt sich, dass die meisten TeilnehmerInnen einen guten Tag hatten, an dem sie viel über eine andere Kultur lernten und ihre Einstellung über das fremde Leben auf dem Land änderten. Es war ein tolles Erlebnis, das den Zusammenhalt und die Interaktion stärkte und die Verbindung festigte.

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