Beim ersten Blick aus dem Fenster an diesem Morgen stieg die Stimmung sofort, denn es schien einmal nicht zu regnen. Doch wie wir es so langsam wirklich gelernt haben ist das Wetter in Südafrika unberechenbar und bereits beim Frühstück kommt der nächste heftige Schauer auf uns herunter.
Aus dem Bus auf dem Weg zum Büro.
Es ist der 3. Tag in Südafrika und der 2. Tag der Filmvorbereitung im Masifunde office. Da Ledge auf sich warten lässt, ergreift Wonga die Position des „facilitators“, begrüßt uns und stellt den weiteren Ablauf vor: „Today we will eat, watch a film, relax and start work at 10 p.m!“. Oh.. wir haben so gelacht! Allerdings kam Ledge dann doch zurück und stellte nun das weitere, richtige Programm vor. Also an welchen Tagen wir welche Menschen interviewen werden und wo. Außerdem sprechen wir über die Struktur und den Inhalt, sowie über die Idee, dass die Teilnehmer täglich Statements geben können, über das, was wir erleben und erfahren, sowie deren persönliche Eindrücke und Gefühle.




Nach dem Mittagessen bekommen die TeilnehmerInnen zunächst eine Liste, die ihnen helfen soll, ihre Aufgabe bei den Interviews zu strukturieren und so umzusetzen, dass gutes Filmmaterial produziert werden kann. Weiter geht es mit der Gestaltung einer Mind Map unter dem Titel „Cultural Diversity and Multilingualism“ um herauszufinden worum es dabei eigentlich geht und zu welchen Themen die Teilnehmer weitere Informationen benötigen um ungefähr auf demselben Stand zu sein.


Die TeilnehmerInnen sammeln und diskutierten über die verschiedenen Sprachen, die hier in Südafrika und besonders im Eastern Cape gesprochen werden, Xhosa, Afrikaans und Englisch, denn es gibt über 11 offizielle Sprachen in ganz Südafrika. Die deutschen TeilnehmerInnen erfahren wie diese in Südafrika entstanden und welche Bedeutung sie haben. In den Schulen um Port Elizabeth wird z.B. vor allem auf Englisch unterrichtet, es gibt allerdings auch Zusatzkurse in den Muttersprachen. Zu unserer großen Freude präsentiert uns Ledge seine Xhosa Kenntnisse. Das Besondere an der Sprache sind übrigens spezielle Klack laute, die zwischen Zunge und Gaumen erzeugt werden (die ständig im Raum erschallen und auch von den deutschen Teilnehmern und Betreuern fleißig geübt werden, denn es macht richtig Spaß!:-). So wird z.B. das X bei Xhosa in diesem Klacklaut ausgesprochen.
Kurzer Xhosa- Kurs für Anfänger:
Molweni- Hallo
Kunjanij- Wie geht es dir?
Ndiphilile- Mir geht es gut!
Umngqusho- eine typische Bohnensuppe
Masifunde (der Name unserer Partnerorganisation)- Lasst uns lernen
Lungile (der Name unserer Unterkunft)- gut
Weiter geht es mit dem sehr großen und überaus wichtigen Thema Apartheid, von der offiziellen Entstehung, also der Niederschrift im Gesetz und Umsetzung im politischen System 1950, wodurch Menschen offiziell durch ihre Hautfarbe klassifiziert wurden und etwa die dunkelhäutige Bevölkerung in so genannten „Townships“ aus den Städten verbannt wurden (die bis heute bestehen), bis hin zu den bedeutenden Anti- Apartheidkämpfern, wie Nelson Mandela (der übrigens in Port Elizabeth geboren ist), die nie aufgaben und durch Ansprachen sowie ständigen friedliche Demonstrationen mit vielen weiteren unterdrückten Menschen erreichten, dass Mandela 1994 zum erste offiziellen demokratisch gewählten Präsidenten von Südafrika wurde, unter der Partei ANC (African National Congress). Dadurch wurde dem unvorstellbar diskriminierenden System der Apartheid ein Ende bereitet.
Die Teilnehmer sprechen auch über die „Rainbownation“, also die Vielfalt an Hautfarben in dem Land und die „Cultural awarness“ der Südafrikaner, was bedeutet, dass sie offen sind für fremde Kulturen und sie nicht ablehnen.
Auf die Frage, ob es weitere Begriffe gibt, die wichtig wären, antwortet Wonga: „I’m complitely out of ideas an I’m never out of ideas!“ Das ist das eindeutige Zeichen, dass alle eine Pause brauchen. Um die Phase abzurunden geht es aber doch noch kurz um die Themen Stereotype untereinander und „Customs“ also etwa das Verhalten und die Mentalität aber auch Sprache der Südafrikaner, die sie auszeichnet, „It’s in our blood to be loud!“ sagt Wonga dazu und das haben wir mittlerweile auch oft genug erlebt :-).




Nach dieser langen aber sehr aufschlussreichen Vorbereitungsphase bricht die ganze Gruppe zum Supermarkt auf, der laut Jonas auch sonntags bis zum Abend geöffnet sein sollte, es dann aber leider doch nicht war. Also warteten wir auf unseren Fahrer Mfana, der uns zu dem „Sparmarkt“(vergleichbar mit Rewe oder Edeka, also es gibt einfach alles) fährt, wo sich einige zum ersten Mal das typisch südafrikanische „Biltong“ kaufen, das getrocknete Fleisch, das es in verschiedenen Geschmacksrichtungen gibt und von den südafrikanischen Kids geliebt wird, auch den meisten deutschen Kids sehr gut schmeckt.



Zurück an der Unterkunft beschließt die Gruppe noch einen gemeinsamen Spaziergang zum Strand zu unternehmen, der ein unerwartetes Erlebnis mit sich bringt, das die Gruppe zum ersten Mal richtig zusammen schweißt. Denn auf dem Rückweg beginnt es plötzlich zu schütten! Schnell ist klar, dass es egal ist sich zu beeilen, den nach wenigen Sekunden sind alle durchnass und Alex bemerkte, dass sogar seine Unterhose nass sei. So geht es allen, bis auf Aljoscha, der nun feststellt, dass sich der Kauf seiner neuen Regenjacke drei Tage vor dem Abflug sehr gelohnt hat, da er am Oberkörper komplett trocken blieb. Trotzdem heißt es bei der Rückkehr in der Lodge, nachdem uns die anderen Gäste im Eingangsbereich kräftig auslachten, umziehen, trocknen und aufwärmen.
Jetzt gibt es Abendessen und um den Abend abzurunden noch ein paar Gruppenspiele, die eindeutig zeigen, dass sich die Gruppe sehr gut versteht und viel Spaß miteinander haben kann.
Bis morgen!
Unser Kühlschrank.
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